Wir sind noch einmal davongekommen

Die Theater-AG (Jahrgang 10-12) unter der Leitung von Herrn Gresch und Herrn Teufel führt am Donnerstag, den 17. Juni 2010 und Dienstag, den 22. Juni 2010 jeweils um 19:30 Uhr in der Aula des GSG das Theaterstück "Wir sind noch einmal davongekommen" auf. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Inhaltsangabe:

In Thornton Wilders Theaterstück „Wir sind noch einmal davongekommen“ („The Skin of Our Teeth“) durchlebt die amerikanische Durchschnittsfamilie Antrobus (griech. „anthropos“: Der Mensch), stellvertretend für die Menschheit schlechthin, die großen Katastrophen der Eiszeit, der Sintflut und des Zweiten Weltkriegs. Immer wieder gelingt es ihr zu überleben, aber immer wieder gerät sie auch in neue Katastrophen. Dieser ewige Kreislauf wird dadurch in Gang gehalten, dass stereotype menschliche Verhaltensweisen unzerstörbar erscheinen. So steht Mr. Antrobus als Adam für ewigen Neubeginn, aufbauende Tatkraft und Erfindungsreichtum; Mrs. Antrobus erscheint als Eva in der Rolle der Bewahrerin und Harmonie schaffenden Erhalterin familiären Zusammenhalts, während das Hausmädchen Sabina (die mythische Lilith verkörpernd) als ewige Verführerin zwar kurzzeitige Erfolge genießen und sich als Inspiratorin großer Menschheitserfindungen vorkommen darf, letztlich aber immer wieder in der Küche landet. Mit der pubertierenden Tochter Gladys, die sich, gegen den Willen der Eltern, zu einer zweiten Sabina zu entwickeln scheint, und dem rebellischen Sohn Henry, der als Kain für das zerstörerische, radikalindividualistische Prinzip steht, sind Kontrapunkte gesetzt, die das ewige „Spiel“ in Gang halten.

In die Rahmenhandlung einer Theaterprobe eingebettet, wechseln häufig die Zeitebenen, immer wieder fallen die Schauspieler aus ihren Rollen und kommentieren das gespielte Geschehen, so dass die Bühnenillusion permanent durchbrochen wird: Verfremdungseffekte eines Brecht`schen Theaters sowie Elemente des absurden und surrealistischen Theaters bilden hier eine Melange von ganz eigenem Reiz.

Neben der reizvollen Form gewährt das Stück durchaus erhellende Einblicke in Formen menschlichen Zusammenlebens und gefällt durch witzige, pointierte Dialoge und satirische Zerrbilder.

Andererseits erscheint das Stück auch in mehrfacher Hinsicht als problematisch: Zwar werden die Figuren eindeutig als Stereotype gekennzeichnet, aber die Zuordnung der schöpferischen und zerstörerischen Aktivität zum männlichen, der lediglich passiven Bewahrung zum weiblichen Geschlecht kann heute nicht mehr so hingenommen werden. Trotz der satirischen Brechung schwingt doch stets eine sehr amerikanische Vorstellung von Familie und „Yes, we can!“-Mentalität mit. Weiterhin erscheint problematisch, dass das Stück eine Lesart zulässt, die dem Einzelnen ermöglicht, Fragen nach der eigenen Mitverantwortung auszuweichen. Der große Erfolg dieses 1942 in New Haven, Connecticut uraufgeführten Stückes auf deutschen Bühnen in der Nachkriegszeit ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass viele Deutsche in dem „wiederaufbauenden“ Mr. Antrobus ein Leitbild sahen und das Angebot, den Krieg als eine Art von „Naturkatastrophe“ zu betrachten, an der man selbstverständlich keine Mitschuld trug, nur zu gerne annahmen.

Reichen diese Einwände aus, das Stück ungespielt zu lassen?