Jugend debattiert: Das legendäre Döner-Versprechen
Als Zweitbester im Landesfinale Rheinland-Pfalz hattest du dich in diesem Jahr für die Bundesfinaltage in Berlin qualifiziert. Welchen Moment dort wirst du nie vergessen?
Amin Dhaou: „Der Moment, den ich nie vergessen werde, war meine Ankunft am Berliner Hauptbahnhof. Als ich aus dem ICE stieg und die Ansage ‚Berlin Hauptbahnhof‘ hörte, war das unbeschreiblich, weil ich schon immer einmal nach Berlin wollte. Noch besonderer wurde es durch meine Deutschlehrerin: Sie hatte unserer Klasse versprochen, dass jeder, der es nach Berlin schafft, einen Döner von ihr bekommt. So banal es klingt – diesen Döner werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Während ich dort mit ihr stand, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, wie viel harte Arbeit hinter diesem Moment lag. All die Debatten, die Vorbereitung und die Aufregung hatten mich tatsächlich so weit gebracht.“
Was hat dich dazu bewogen, am Programm Jugend debattiert teilzunehmen?
Amin Dhaou: „Meine Deutschlehrerin war der wichtigste Grund, warum ich bei Jugend debattiert angefangen habe. Sie hat früh erkannt, dass ich Freude daran habe, Gedanken auszutauschen und für meine Meinung einzustehen, und sie hat mich ermutigt, es auszuprobieren. Ohne ihren Anstoß hätte ich vielleicht nie entdeckt, wie sehr mich das Debattieren begeistert. Sie hat mir nicht einfach eine Tür geöffnet, sondern mich dazu gebracht, selbst durch sie hindurchzugehen. Aus ihrer Ermutigung wurde für mich eine Leidenschaft, die mir zeigt, wie viel eine Stimme bewirken kann.“
Du bist Stipendiat der START-Stiftung, die Jugendliche mit Migrationsbezug auf ihrem Bildungsweg und in ihrem gesellschaftlichen Engagement fördert. Inwiefern war Jugend debattiert für dich eine besondere Erfahrung?
Amin Dhaou: „Mir ist dadurch noch bewusster geworden, wie unterrepräsentiert Menschen mit Migrationsgeschichte in vielen Bereichen unserer Gesellschaft sind. Gerade dort, wo Entscheidungen getroffen, Meinungen öffentlich ausgetauscht und gesellschaftlich relevante Debatten geführt werden, ist unsere Perspektive häufig kaum oder gar nicht vertreten. Bei Jugend debattiert durfte ich erleben, wie es sich anfühlt, wenn meine Perspektive nicht nur dabei ist, sondern wirklich gehört wird. Das hat mir gezeigt, dass Repräsentation nicht nur bedeutet, gesehen zu werden, sondern auch anderen Mut zu machen, ihre eigene Stimme zu erheben.“
Was hast du bei Jugend debattiert gelernt, das dir über die Schulzeit hinaus hilfreich sein kann?
Amin Dhaou:„Jugend debattiert hat mir gezeigt, dass eine starke Stimme nicht bedeutet, am lautesten zu sein. Ich habe gelernt, anderen wirklich zuzuhören, auch Meinungen auszuhalten, die meiner eigenen widersprechen, und trotzdem für meine Überzeugungen einzustehen. Besonders wertvoll war für mich die Erkenntnis, dass eine gute Debatte nicht nur darin besteht, andere zu überzeugen, sondern auch darin, bereit zu sein, selbst überzeugt zu werden. Diese Haltung möchte ich in meinen späteren Beruf und mein gesamtes Leben mitnehmen: neugierig bleiben, kritisch denken und Menschen mit anderen Ansichten nicht als Gegner, sondern als Chance zum Lernen sehen.“
Jugend debattiert: „Eine starke Stimme bedeutet nicht, am lautesten zu sein“
- Publikation mit freundlicher Genehmigung, Gemeinnützige Hertie-Stiftung, 8. Sept. 2026